Tanzen auf Beerdigungen
Zwölf Beerdigungen gab es an diesem Wochenende in unserem Dorf, auf zweien war ich.
Unsere Trompetenjungs haben mich mitgenommen und für mich war die Musik ein schöner Blickwinkel auf die Trauer und die Beerdigungen.
Am Freitag wird der Leichnam von schwarz gekleideten Jungs mit roten Armbinden in die Stadt gefahren und dort mit einem lauten Umzug zur Stelle gebracht, an der die Zeremonie stattfindet.
Abends bekunden Angehörige und Freunde ihre Trauer und die verstorbene Person wird offen gezeigt. Im Zuge dessen spielt eine Brassband bis Mitternacht - es wird eine Art Totenwache gehalten. Da ich mit den Bandsmen gekommen bin, war ich nur Teil der Musik, aber schon die hat mich berührt. Es ist laut, die Jungs wechseln sich ohne eine einzige Pause an allen Instrumenten ab und hören super gut aufeinander, denn die musikalischen Übergänge einer Melodie zur nächsten mit durchgehender Percussion sollen sitzen. Das scheint so elegant und fein - ich habe dieses intensive Musizieren sehr genossen.
auf dem Weg zum Friedhof
Am nächsten Tag findet die eigentliche Zeremonie statt, bei der ich wegen Zuspätkommens nicht dabei war. Daraufhin wird der Sarg von Angehörigen geschultert und zum Friedhof gebracht. Auch hier hat mich wieder die Musik berührt, unsere Jungs, die so gut aufeinander hören und spontan miteinander spielen und der Respekt, der der toten Person mit dem lauten Musizieren und dem Umzug gezollt wird. Bei der tatsächlichen Bestattung haben sich die Bandsmen zurückgezogen, ich auch. Die Person kannten wir jeweils nicht, wir waren nur dabei, weil in beiden Fällen einer der Bandsmen den Tod betrauerte. In Deutschland wäre mir das unangenehm gewesen, hier ist es der Ausdruck des Mitgefühls.
auf Beerdigungen trägt man schwarz und rot, oftmals auch eine Armbinde wie sie ein Freund hier am linken Arm hat
Die Musik ist übrigens nicht traurig. Viele Menschen tanzen dazu und halten so die Person in Ehren. Wie schön das ist, neben all der Trauer. Und auch, dass so viele junge Menschen da sind, die sich gegenseitig und ihre Nahestehenden stützen. Es ist besonders, auch an diesem Aspekt der Kultur teilzuhaben und ich bin dankbar für meine Freunde, die mir diesen Einblick geben.
Ohh ich hätte gerne die Musik gehört!
AntwortenLöschenHallo Meret,
AntwortenLöschenSo toll, was du berichtest! Die Musik von einer Beerdigung zu hören,würde mich auch sehr interessieren- ich kenne die Funeral Marching Bands aus Amerika (auch eine Tradition der ehemaligen Sklaven), ob das so ähnlich klingt? Oder ist das eher authentische ghanaische Musik? Christoph und ich waren übrigens schon von deinem kurzen Video aus dem Weihnachtsgottesdienst sehr begeistert!
Lass es dir weiterhin gutgehen und hab ganz viele spannende Erlebnisse,
Fritzi
Mich erinnert es an Mexiko. Da kenn ich den Abschied von einem toten Menschen mit einem Trauerzug, zu lauter Musik tanzend in weißen Gewändern. Der Tod ist dann mehr mit dem Leben verbunden. Alles Liebe
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