Hoch wie noch nie



Im Bus durch Täler ruckeln


Der stete Tropfen höhlt den Stein denk ich und setze mein Schneckentempo fort. Es war eigentlich ganz schön, kein WiFi zu haben hier oben in Tarkeghyang, einem kleinen Bergdorf, bis dahin war mir Höhenkrankheit egal. Beim Chia gestern Nachmittag haben wir aber doch den Zugang zum Internet bekommen und schwupps, war es um mich geschehen. Das kann echt schlimm werden, akute Lebensgefahr stand in Absatz vier und fünf vom zigsten Artikel über Bergsteigerkrankheit. Und wir sind gestern schon 1000hm rauf, heute noch mehr.



Der Chia mit Wlan


So übe ich im ersten Teil unserer Wanderung sämtliche Beruhigungsfloskeln an mir. Wenn du langsam aufsteigst, dann passt das schon, Meret. Genauso und jetzt noch eine kleine Pause und dann wieder weiter. Ganz normal atmen und du warst doch auch schon oft in den Bergen, alles gut.


Es wird meditativer, ich entspannter. Dunkelheit um mich, die andern schon vorne, nur der Kegel der Stirnlampe gibt Richtung, der Nase nach. Ruhe. Ein Schritt nach dem anderen. Ich denke an Beppo, der Straßenkehrer aus Momo. Schritt für Schritt.


Regentropfen fallen durch meinen Kegel, da, was lilanes. Oh wie schön, das sehe ich gerade für Katrin. Lila Blumen unter den Treppenstufen. Ein Lächeln huscht mir über das Gesicht.



Blumen für Katrin und für mich

Um sechs geht langsam die Sonne auf, wir sind schon drei Stunden unterwegs. Endlich wird Regen zu Schnee, nicht mehr so nass. Kurz erschrocken, weil ich dachte, ich sehe verschwommen und schwindelig, aber nur der Schnee, alles gut. Die Abwesenheit von Licht verleitet zum Denken und Überdenken.


Schritt für Schritt. 


Auch eine Schnecke kommt weiter, irgendwann sehen wir durch die Wolken die Berge drumherum. Immer und immer mehr, ein Bergrücken hat schon Sonne, im anderen Tal hängt noch die Wolke fest. Wir gewinnen an Höhe und Weite. Bedachtere Schritte, Pausen und Gucken. Und während der letzten Stunde lächel ich allen zu und alle zurück. 

Einer sagt "step by step, you can do it".




So hoch war ich noch nie, 3771m, Ama Yangri, Umarmung mit Lola und Franka. Vorsichtig tapse ich, ich bin extra so schneckig gelaufen, damit ich jetzt nicht mehr umfalle. Ich bin da, fühle den eiskalten Wind, bin im Moment.








Weg runter, rutschen auf Schnee, Eis und Schlamm. Musik (Nepalis lieben Musik beim Wandern), Regen, Sonne, Pause. Wir sprechen über eine Nepalesin, die wir kennengelernt haben. Sie darf als Tochter so lange nicht wandern gehen, bis sie verheiratet ist. Was für eine Freiheit wir haben. Und dann noch über die Ausrüstung der Nepalis auf dem Berg, manche sehen mit Handtasche, Crogs, Sneaker aus, als ob sie in der Stadt unterwegs wären. Muss ein bisschen über uns lachen, wir sehen dagegen überausgestattet aus. 






Unten noch ein Chia, dann geht es zurück. Blick auf das Himalaya bevor wir ins Kathmandu Tal hinunterfahren, der Mond geht auf.



Modischer Berg mit Hut

Kommentare

  1. Ich bin total überwältigt

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  2. Meret, solange ich dich so strahlen sehe, ist alles gut. Genieße es und bleib vorsichtig. Opa

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  3. Klingt nach einer Grenzerfahrung - you did it

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  4. Es ist sehr schön nach so langer Zeit wieder über Deinen Blog zu stolpern, die Texte lesen sich so dass ich direkt Fernweh bekomme während ich in meiner neuen Arbeit kaum Zeit für Reisepläne habe.
    Aber jetzt kann ich immerhin ab und zu in Gedanken nach Nepal reisen.
    Nathan

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  5. Freudig aufgeregt rast mein Herz mit dir in die Höhe des Himalaya. Tief berührt danke ich dir für die Blumen zwischen den Stufen und deinen Schritten. Die Entdeckung der Langsamkeit. Das Geschenk des Himalaya an dich. ❤️

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